Krankheitsbilder und unsere Ansätze
Hufrehe
Ein besonderer Schwerpunkt unserer Arbeit liegt in der erfolgreichen Therapie von Hufrehe beim Pferd.

Vorher

Nachher
Was passiert bei einer Hufrehe?
Die Hufrehe ist eine sehr schmerzhafte Erkrankung der Pferdehufe. Sie entsteht, wenn der Stoffwechsel des Pferdes aus dem Gleichgewicht gerät, zum Beispiel durch falsche Fütterung oder andere Belastungen des Körpers.
Dabei wird die Durchblutung im Huf gestört. Die feinen Blutgefäße (Kapillaren) können ihre Aufgabe nicht mehr ausreichend erfüllen. Der Huf entzündet sich aseptisch (ohne bakterielle Infektion) und es kann zu Ödemen („Wasserguss“) kommen. Im Inneren des Hufs entstehen mechanische Schäden am Hufbeinträger (Dehnung, Spreizung, Einrisse).
Was bedeutet das für das Pferd?
- Starke Schmerzen im Huf – oft bereits früh im Verlauf.
- Durch den Bodengegendruck kann sich die Hornkapsel verändern; typisch sind z. B. eine „Schnabelzehe“ sowie Rinnen/Dellen am Kronsaum.
- Es entsteht starker Druck im Huf – besonders auf die Sohle; die Sohlenlederhaut kann durch den Hufbeinträger gequetscht werden.
- Es kann zu krankhaften Veränderungen am Hufbein (Knochen im Huf) kommen.
- In schweren Fällen kann es zu gravierenden Hufschäden kommen – bis hin zum Durchbruch nach unten oder zum Verlust der Hornkapsel.
Unser Ansatz:
- Rechtzeitige Bearbeitung/ Versorgung des Rehehufes
- Ursache finden und beheben, in Zusammenarbeit mit TA
- Bei ernährungsbedingter Rehe: Ernährungsberatung sowie Empfehlungen zu Haltung und Bewegungsmanagement
- Blutegeltherapie
- huforthopädische, weiterführende Betreuung der Hufe
Wir konnten schon bei vielen Pferden sehr gute Ergebnisse erzielen
Hufrollenerkrankung (Podotrochlose)
Was ist der Hufrollenkomplex?
Der sogenannte Hufrollenkomplex ist kein einzelnes Bauteil, sondern ein Zusammenspiel mehrerer anatomischer Strukturen im hinteren Bereich des Pferdehufs. Diese Strukturen arbeiten gemeinsam, um die Bewegung des Pferdes abzufedern und die Beugung des Hufs zu ermöglichen.
Was bedeutet das für das Pferd?
- die Sehnengleitfläche des Strahlbeins, über die die tiefe Beugesehne gleitet
- der Hufrollenschleimbeutel, der als Puffer zwischen Strahlbein und Sehne dient
- der distale (untere) Anteil der tiefen Beugesehne (TBS)
- das Strahlbein Kronbein Band
- das Hufbein Strahlbein Band
- das Fesselbein Strahlbein Hufbein Band
- sowie anteilige Knochenstrukturen von Hufbein, Strahlbein und Kronbein
Warum ist der Hufrollenkomplex so wichtig?
Was passiert bei einer Erkrankung des Hufrollenkomplexes?
- Durch die flachere Stellung entsteht ein erhöhter Zug auf die tiefe Beugesehne (TBS) und die Bänder am Strahlbein.
- Der erhöhte Zug der tiefen Beugesehne führt dazu, dass mehr Druck auf das Strahlbein wirkt.
- Wenn dieser Druck über längere Zeit besteht, kann das Strahlbein strukturell verändert werden, z. B. durch Verformung.
Unser Ansatz:
- Individuelle huforthopädische Betreuung mit dem Ziel, die Hufe möglichst symmetrisch und funktionell auszurichten – unter Berücksichtigung einer physiologischen Huffesselachse (bei vielen betroffenen Pferden ist eine steilere Stellung sinnvoll).
- Eine Angepasste Bewegung, unter Verwendung der Hufmechanik (Verwindungsfähigkeit des Hufes) eines unbeschlagenen Pferdes, unterstützt die Versorgung der Strukturen: Sie kann die Durchblutung fördern, die Bildung von Gelenkschmiere (Synovia) unterstützen und das „Verkleben“ von Gewebe reduzieren. Außerdem kann es die Gelenke entlasten, weil sich der Huf besser an den Untergrund anpasst und Belastungsspitzen reduziert werden.
- Begleitende Schmerztherapie, z. B. durch Akupunktur (TCVM)
- Behandlung zum Lösen von Muskelverspannungen im gesamten Körper, die durch Schon und Kompensationshaltungen entstehen können.
Arthrose – Leist, Schale
Was passiert bei einer Arthrose?
Leist
- Es kommt zu Verknöcherungen von Bändern an der Rückseite und an den Seiten des Fesselbeins.
- Betroffen ist meist der Ansatz der Gleichbeinbänder.
Schale
- Dabei entstehen allgemeine Knochenzubildungen an Gliedmaßenknochen und Gelenken, typischerweise im Bereich zwischen Kron- und Hufgelenk.
- Exostosen können im Gelenk (Gelenkschale) oder in Gelenknähe (gelenknahe Schale) auftreten.
- Man unterscheidet hohe Schale (Exostosen im Bereich des Krongelenks), tiefe Schale (Exostosen im Bereich des Hufgelenks) und Ringbein (wenn Exostosen bei gelenknaher Schale ringförmig um den Knochen verlaufen).
Was bedeutet das für das Pferd?
- Arthrose kann Schmerzen verursachen und zu Lahmheit führen.
- Zu Beginn der Erkrankung können anfängliche Entzündungen zu vermehrter Wärme und einer weichen, schmerzhaften Schwellung des betroffenen Bereichs führen.
- Im weiteren Verlauf (Monate bis Jahre) werden Knochenzubildungen sichtbar und tastbar; das Abtasten dieser sogenannten Exostosen ist in der Regel nicht schmerzhaft.
- Lahmheit kann in allen Grundgangarten auftreten.
- Bei einigen Pferden verstärkt sich die Lahmheit unter Belastung, bei engen Wendungen und/oder auf unebenem Boden.
- Manche Pferde „laufen sich ein“ – bei dosierter Bewegung stellt sich eine Besserung ein.
- Im Stand stellen manche Pferde das erkrankte Bein vor, um die betroffenen Gelenke zu entlasten.
- Umfangreiche Verknöcherungen stellen – je nach Lage – eine mechanische Einschränkung dar: Das Pferd kann das Gelenk dann nicht vollständig beugen oder strecken.
- Kommt es insbesondere bei Krongelenksschale zur Verknöcherung (Versteifung) des Gelenks, gehen viele Pferde wieder lahmfrei: (1) In versteiften Gelenken findet keine Bewegung mehr statt – dadurch keine Reibung; Entzündungsprozesse und Schmerzen klingen ab. (2) Das Krongelenk hat physiologisch nur eine geringe Beweglichkeit und spielt im Bewegungsablauf eine untergeordnete Rolle; fehlende Bewegung kann durch Huf- und Fesselgelenk kompensiert werden.
Unser Ansatz:
- Individuelle huforthopädische Betreuung mit dem Ziel einer bestmöglichen Ausrichtung der Hufe unter Berücksichtigung der ungebrochenen Knochensäule – unter Akzeptanz der vorhandenen Schrägstellung der Gliedmaße und eines ggf. unsymmetrischen Hufes.
- Über die Verwindungsfähigkeit des Hufes (Hufmechanik) kann sich der Huf besser an den Untergrund anpassen und Belastungsspitzen reduzieren; das kann auch die Gelenke entlasten.
- Durch angepasste Bewegung „verkleben“ Strukturen weniger; zudem kann die Durchblutung verbessert und die Bildung von Gelenkschmiere (Synovia) unterstützt werden.
- Begleitende Schmerztherapie, z. B. durch Akupunktur (TCVM).
- Behandlung zum Lösen von Muskelverspannungen im gesamten Körper, die durch Schon- und Kompensationshaltungen entstehen können.
- Blutegeltherapie als begleitende Maßnahme.
- Beratung zu Haltung, Fütterung und Bewegungsmanagement.
Das beachten der ungebrochenen Knochensäule ist essenziell
Arthrose – Spat
Was passiert bei Spat?
In der Regel handelt es sich um eine degenerative Erkrankung der Sprunggelenke mit akuten entzündlichen Schüben sowie chronischen Beschwerden.
Die damit verbundenen Knochenzubildungen am Sprunggelenk können fortschreiten und bis zur (Teil )Verknöcherung bzw. Versteifung einzelner Gelenkanteile führen.
Betroffen sind vor allem die unteren, kleinen Gelenkanteile des Sprunggelenks:
- Akute Entzündungen von Gelenken und Knochen, ggf. auch von Knochenhaut und Schleimbeuteln.
- Schädigungen der Gelenkoberflächen sowie Knochenumbildungen infolge chronischer Entzündungen (Arthrose).
Osteolytischer Spat
- Knochen und Knorpel werden abgebaut; der Gelenkspalt kann sich vergrößern und der Knochen instabil werden.
- Als mögliche Ursache wird u. a. ein Mineralstoffmangel (z. B. Calcium) diskutiert.
- Gilt als besonders schmerzhafte, stark degenerative Form.
- Es gibt auch Mischtypen mit Knochenzubildung und gleichzeitiger Knochenauflösung.
Ursachen
- Über- und Fehlbelastung
- Verletzungen/Traumata am Gelenk
- Ungepflegte Hufe
- Falscher Beschlag
- Fehlstellungen
- Knochenzysten
- Mangelndes Aufwärmen/Gymnastizieren und falsches Training
- Überfordernde Nutzung
- Genetik (Zuchtselektion)
- Störungen im Knochenstoffwechsel oder Knochenaufbau
- Falsche Fütterung (z. B. gestörte Calciumaufnahme durch überhöhte Phosphorzufuhr)
- Zu wenig Bewegung bereits im Fohlenalter
- Schlechte Aufzuchtbedingungen
- Unsymmetrische Hufe: In der Entwicklungsphase können dadurch Schiefen im Sprunggelenk entstehen
- Aufgrund von Funktion und Lage ist das Sprunggelenk besonders anfällig für degenerative Veränderungen
Was bedeutet das für das Pferd?
- Gerade im frühen Stadium sind erste Symptome häufig nur schwer erkennbar.
Typische Anzeichen
- Schmerzen im Sprunggelenk
- Lahmheit (z. B. beim Verlassen der Box)
- Schwellung und Wärme (im akuten Schub)
Bewegungsbild (Hinterhand)
- Schlurfen der betroffenen Hintergliedmaße
- Verkürzte Schritte
- Vermehrtes Stolpern
- Grundsätzlich oft (noch) reitbar, abhängig vom Schweregrad.
- Bei Schüben verstärkte Symptome, z. B. deutlichere Lahmheit – teils auch erst nach Bewegung.
Weitere mögliche Hinweise
- Verspannter Rücken
- Einseitiges „Kürzertreten“
- Schwierigkeiten beim Bergauf und besonders beim Bergabreiten
- Schwierigkeiten auf schiefer Ebene
- Schwierigkeiten bei Wendungen
- Schwierigkeiten beim Heben der Beine nach oben, hinten und vorne
- Ungleiche Kruppe
- unphysiologische Hufzustände:
- Durch das Abschlurfen der Zehenwand geraten Trachten und Seitenwände unter unphysiologisch hohen Bodengegendruck.
- Die Hufe können steiler werden (Tendenz zur Flexion) – mit möglicher Veränderung der Stellung im Bereich des Strahlbeins.
- Die veränderten Belastungseigenschaften können zu schnellem, partiellem Hornverlust führen; dadurch entstehen Hufasymmetrien
Unsere Ansätze
- Individuelle huforthopädische Betreuung mit dem Ziel einer bestmöglichen Ausrichtung der Hufe unter Berücksichtigung der ungebrochenen Knochensäule – unter Akzeptanz der eingenommenen Schrägstellung der Gliedmaße.
- Ein barhuf geführter Huf kann Stöße besser dämpfen und – über die Verwindungsfähigkeit (Hufmechanik) – Belastungsspitzen reduzieren, indem er sich dem Untergrund besser anpasst.
- Durch angepasste, regelmäßige Bewegung „verkleben“ Strukturen weniger; außerdem kann die Durchblutung gefördert und die Bildung von Gelenkschmiere (Synovia) unterstützt werden.
- Begleitende Schmerztherapie, z. B. durch Akupunktur (TCVM).
- Behandlung zum Lösen von Muskelverspannungen (v. a. im Rücken), die durch Schon und Kompensationshaltungen sowie unphysiologische Bewegungsabläufe entstehen können.
- Blutegeltherapie als begleitende Maßnahme.
- Beratung zu Haltung, Fütterung und Bewegungsmanagement.
unphysiologische Hufzustände
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Warte nicht – erkenne Probleme frühzeitig und handle richtig.